Donaukurier, 28.03.2007

Bundesamt gewährt äthiopischem Exiloppositionellen Abschiebeschutz

Die mehr als zehnjährige Odyssee der Angst und des Aufbäumens des Debru Zewdie Ejeta fand gestern völlig überraschend ein glückliches Ende: Der Äthiopier darf bleiben! Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gewährte dem 38-jährigen Geologen Abschiebeschutz aufgrund drohender Folter. „Damit hat niemand mehr gerechnet“, kommentierte Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat die unerwartete Wende. Voraussichtlich in den nächsten vier Wochen werde Ejeta seine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Das wird schriftlich bestätigt. Dann darf der Äthiopier aus dem Asyllager Neuburg ausziehen und sich Arbeit und Wohnung suchen. Und, hat nach einem Jahrzehnt dles zermürbenden Bangens seine Zukunft erstmals wieder selbst in der Hand. Gestern konnte er sein Glück noch gar nicht fassen. Er hat auf unsere Nachricht ungläubig reagiert“, erzählt Alexander Thal. Pläne habe der Äthiopier noch keine, denn „er hat mit der Abschiebung gerechnet“. Die drohte dem 38-Jährigen ganz massiv, nachdem das Bundesamt Anfang März seinen Asylfolgeantrag abgelehnt hatte. Bei seiner Kehrtwende beruft sich die Bundesbehörde auf Paragraf 60, Absatz 5, des Aufenthaltsgesetzes: Darin wird die Gewährung des Abschiebeschutzes mit drohender Folter begründet. Im Gegenzug pocht das Bundesamt darauf, dass der Eilantrag ans Verwaltungsgericht und der Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid zurückgezogen werden. Das wurde laut Thal durch Anwältin Gisela Seidler bereits in die Wege geleitet.

Für den Oppositionellen Ejeta hat sich nach einer Ära der Ungewissheit alles zum Guten gewendet „Doch für viele andere Äthiopier ist die Situation noch ungeklärt. Auch ihnen droht nach der Abschiebung die Verfolgung durch das Regime Meles Zelawi“, so Thal. Er hofft, der Fall Ejeta möge Schule machen. Und das möglichst oft.

Petra Stengel